Karotte und Sellerie: Erfolgreich in die Saison starten

Karotte Feldgemüse Feld
© Korbinian Bogner

Zu Beginn einer neuen Saison wird der Grundstein für einen erfolgreichen Anbau gelegt. Schon bei Feldauswahl, Bodenvorbereitung und der Nährstoffversorgung entscheidet sich der Kulturerfolg. Die Anforderungen von Karotte und Sellerie sind hierbei, trotz aller Verwandtschaft, recht unterschiedlich. 

Im folgenden Artikel sollen die Grundlagen und die Bedeutung eines erfolgreichen Kulturstarts skizziert werden. Bei einem geplanten Bio Austria Feldtag im Marchfeldwerden die hier thematisierten Grundlagen vertieft.

Bodenanalyse notwendig

Ist ein geeignetes Feld mit geringem Beikrautdruck in der engeren Auswahl, führt kein Weg an einer ausführlichen Bodenanalyse vorbei. Nur wer sich mit seinem Boden intensiv auseinandersetzt, kann Mangelsituationen frühzeitig erkennen und gegensteuern. Phosphor, Kalium, Magnesium, pH-Wert und Kalkstatus sollen ebenso bekannt sein, wie die wichtigsten Mikronährstoffe Bor, Mangan, Zink und Kupfer. Bei der Interpretation der Stickstoff Versorgung kann eine Nmin-oder EUF-Untersuchung helfen. (Anm.: EUF steht für Elektro-Ultrafiltration und ist ein labortechnisches Verfahren.)

Für die Interpretation der Ergebnisse spielen auch Bodenart und die organische Substanz eine wichtige Rolle. Da die Ableitung von klaren, kulturspezifischen Düngemaßnahmen recht komplex ist, macht es bereits an dieser Stelle Sinn, kompetente Fachberatung hinzuzuziehen. 

Flächen vorbereiten

Die passende Nährstoffversorgung und Bodenstruktur beginnen schon mit der Vorfrucht und einer eventuell folgenden Zwischenfrucht. Bei wertigen Gemüsekulturen lohnt auch ein gezieltes Vorbereitungsjahr. In diesem werden eine oder zwei Zwischenfrüchte wie Hauptfrüchte geführt, um die Fläche optimal auf die Bedürfnisse des Gemüses vorzubereiten. Erhöhter Ertrag und Qualität können die Kosten überkompensieren, wie die mehrjährigen Versuche zum Hygienejahr in Karotten von Holger Buck aus Niedersachsen eindrücklich zeigen. Grundsätzlich sind Vorfrüchte mit langen Standzeiten, später Ernte und viel organischen Rückständen zu vermeiden. Diese führen selbst auf leichteren Böden schnell zu Strukturschäden, deformierten Karotten und schwächelndem Sellerie. 

Karotte holt Nährstoffe aus der Tiefe

Mithilfe ihrer Pfahlwurzel kann die Karotte auch Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten nutzen, vorausgesetzt die Bodenstruktur lässt dies zu. Daher soll die Stickstoffkalkulation je nach Boden nicht zu üppig ausfallen. Besonders bei Lagerware leiden Qualität und Lagerfähigkeit bei übermäßiger Versorgung. Hinzu kommt, dass die Stickstoffverfügbarkeit ohnehin nur einen sehr begrenzten Einfluss auf den Ertrag hat und der Hauptstickstoffbedarf erst in der zweiten Kulturhälfte auftritt, wenn die Pfahlwurzel bereits tiefere Schichten nutzen kann. 

Ziel der Bodenbearbeitung ist ein feinkrümeliger Damm mit gutem Anschluss zum Unterboden. Hier richtet sich das genaue Vorgehen immer nach der Bodenart, der Bodenfeuchtigkeit und dem allgemeinen Bodenzustand. In den meisten Fällen ist die Dammfräse das Mittel der Wahl. Je feiner die Bodenstruktur, desto besser präsentieren sich Form und Oberfläche der Rübe. Jedoch sollte auf leichten Böden die labile Bodenstruktur nicht mit enormen Drehzahlen pulverisiert werden. Hier gilt die Devise: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. 

Wenn der Damm steht

Steht der Damm, muss sich dieser ausreichend setzen und der erste Schwung Beikraut soll schon vor der Saat auflaufen. Ein erstes Abflammen macht den Damm vor der Aussaat wieder blank, ohne den Boden zu bewegen und einen neuen Keimreiz zu setzen. 

Die Saat erfolgt je nach Technik in Doppelreihe, Dreifachreihe oder Bandsaat in 1,5 bis 3 cm Tiefe. Auf dem gesetzten Damm unterstützt die wieder eingestellte Kapillarität eine eventuell nötige Auflaufbewässerung. Neigt der Boden zum Verkrusten, kann die Bewässerung auch vor der Saat erfolgen. Intensive Kontrollen helfen, Probleme beim Quellen und Keimen zu erkennen, und schnell nachbewässern zu können. Nach sieben bis zehn Tagen darf dann unter guten Bedingungen mit einem zweiten Abflammgang kalkuliert werden. Je nach Bodentemperatur kann dies aber stark schwanken und regelmäßige Kontrollen an unterschiedlichen Stellen sind unerlässlich.

Früh hacken

Haben die zarten Keimlinge gleichmäßig ihre Keimblätter entfaltet, gilt die Aufmerksamkeit in den Folgewochen der Unkrautregulierung. Je früher Beikräuter gehackt oder gejätet werden, desto kosteneffizienter und kulturschonender ist dies. Ab einer Laubhöhe von circa zehn Zentimetern kann erstmals vorsichtig angehäufelt werden. Ab diesem Punkt sollte keine nennenswerte Handarbeit mehr nötig sein. Die Kultur ist erfolgreich etabliert.

Sellerie braucht mehr Stickstoff

Im Gegensatz zur Karotte profitiert der Sellerie von viel organischer Substanz und guter Mineralisation. Schließlich hat er in etwa den doppelten Stickstoffbedarf wie die schlanke Karottenwurzel. Entsprechend gut gedeiht er auf guten, schweren und humosen Böden nach üppigen Zwischenfrüchten mit Mist- oder Kompostgaben. Auch bei Sellerie ist eine ausführliche Bodenuntersuchung Pflicht. Besondere Aufmerksamkeit erfordern pH-Wert, organische Substanz und Borgehalt. Neben der Wasserversorgung bestimmt das Zusammenspiel dieser Bodenparameter die Verfügbarkeit von Bor. Bei Bormangel reagieren die Knollen mit Herzbräune, welche immer wieder ganze Partien unvermarktbar macht. 

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung muss Sellerie gepflanzt werden. Ein gutes Pflanzbett zeichnet sich durch guten Anschluss zum Unterboden und feinkrümligen Oberboden aus, in dem die Andruckrollen der Setzmaschine einen guten Bodenschluss der Setzlinge gewährleisten können. Eine Wassergabe nach dem Pflanzen ist für ein gutes und zügiges Anwachsergebnis zwingend erforderlich. 

Wuchsvorsprung nutzen

Durch das Pflanzen hat Sellerie im Gegensatz zur Karotte einen deutlichen Wuchsvorsprung. Um diesen zu nutzen, sollten nach dem Einwurzeln zügig ein bis zwei maschinelle Hackgänge erfolgen. Dazu darf mit Flachhäuflern auch leicht in die Reihe gearbeitet werden. 

Im nächsten Schritt kommt ein möglichst sensibler Striegel zum Einsatz, um die Erde wieder aus der Reihe heraus zu arbeiten und Keimfäden freizulegen. Diese Kombination aus minimalem Anhäufeln und Freistriegeln sichert die Etablierung der Kultur. Beim Einsatz des Striegels ist aber Fingerspitzengefühl gefragt. Wird dieser zu früh und zu aggressiv eingesetzt, können die frisch eingewurzelten Feinwurzeln abreißen. Dies würde dem Bestand ein bis zwei Wochen Wuchsverzögerung bescheren und einen sicher bald nötigen zweiten Striegelgang gefährden. Bei richtiger Kulturführung kann Sellerie mit unter 100 Handhackstunden pro Hektar kultiviert werden.

Autor: Korbinian Bogner, Feldgemüseberater bei Bioland, Deutschland

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