Passen Schweine zu meinem Betrieb?

Schweine im Gras
© BIO AUSTRIA

Früher gab es auf fast allen Bauernhöfen Schweine. Mittlerweile sind die Tiere vor allem in Grünlandgebieten selten geworden. Die Schweinehaltung in kleinen Beständen kann jedoch für Betriebe ein zusätzliches Standbein sein.

Die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch ist in den letzten Jahren langsam, aber stetig gestiegen. Der aktuelle Marktanteil liegt bei knapp drei Prozent und ist laut Experten ausbaufähig.

Unter Schweinehaltung in kleinen Beständen sind weniger als 30 Mastplätze oder maximal fünf Zuchtsauen zu verstehen. Bei dieser Anzahl an Tieren braucht man zwar einen Betreuungstierarzt, aber noch keine Tiergesundheitsdienst-Betreuung. Gesetzliche Auflagen für die biologische Wirtschaftsweise betreffend Stallbau, Fütterung, Tierzukauf etc. müssen jedenfalls erfüllt werden.

Klärende Fragen

Bevor Schweine eingestellt werden, müssen ein paar grundlegende Fragen geklärt werden:

  • Gibt es noch Zeitressourcen? Auch wenn Schweine einfach in der Haltung sind, müssen sie gefüttert, ausgemistet und betreut werden. Direktvermarkter brauchen zusätzlich einen zeitlichen Spielraum für die Verarbeitung und Vermarktung.
  • Kann ich mir überhaupt vorstellen mit Schweinen zu arbeiten? Sie riechen anders, haben einen anderen Charakter und ein anderes Verhalten im Vergleich zu Rindern.
  • Gibt es Möglichkeiten für die Unterbringung wie zum Beispiel ein leerstehendes Gebäude, eine Garage oder eine Scheune, die um einen Auslauf erweitert werden können?
  • Wie füttere ich die Tiere? Schweine sind Allesfresser. Auch wenn keine klassischen Misch-Küchenabfälle gefüttert werden dürfen, kann man sie sehr vielfältig ernähren.

Ist die Entscheidung für die Schweinehaltung gefallen, sollten zuerst Mastschweine eingestellt werden. Ihre Haltung ist einfacher, man lernt die Tiere, ihren Charakter und das Management kennen. Danach bedarf es minimaler Anpassungen, um auch eine Sau zur Ferkelproduktion einzustellen.

Der Einstieg

Grundsätzlich sind Bio-Tiere zuzukaufen. Für welche Rasse man sich entscheidet, hängt davon ab, wie man sein Produkt verkaufen will. Bei einer Vermarktung über den Lebensmitteleinzelhandel sind Edelschwein, Landschwein, F1 x Pietrain oder Duroc die Rassen der Wahl.

In der Direktvermarktung sind auch Speckrassen sehr beliebt wie zum Beispiel Turopolje, Mangalitza, Alpenschwein etc. Dennoch ist es wichtig, zunächst Rücksprache mit dem Metzger zu halten. Da vor allem Speckrassen oft pigmentierter und langborstig sind, muss geklärt werden, ob sie im Schlachtbetrieb verarbeitet werden können. Auch ist zu beachten, dass die Kruste vom Schweinsbraten eine andere Farbe und Konsistenz hat als vielleicht gewohnt.

Das Thema Stallbau ist komplex und einfach zugleich. Wichtig ist, dass gesetzliche Mindestflächen eingehalten werden und ein Auslauf geschaffen wird, der ganzjährig zugänglich ist. Generell empfiehlt sich, die Buchten als Universalbuchten zu gestalten, um sie sowohl für Ferkel, Sauen als auch für die Mast umstrukturieren zu können.

Für Einsteiger wird der Zukauf von Fertigfutter empfohlen, um die Tiere ausgewogen und gut zu ernähren. Einsparungen können durch Aufmischen mit hofeigenem Getreide oder Ergänzung mit Resten aus der Bio-Lebensmittelproduktion wie Ausschussmilch, Molke, Kartoffeln, Altbrot und Ausputzgetreide erzielt werden.

Es ist wichtig, die Entwicklung des Gewebeansatzes (Muskelfleisch und Fettanteil) beim Mastschwein zu kennen. So lassen sich Kosten in der Fütterung sparen (siehe Abbildung). Wichtig ist, das Raufutter nicht zu vergessen. Schweine benötigen es vor allem als Beschäftigungsmaterial und Magenfüller. Aber sie sind keine reinen Grünlandfresser, auch nicht mit eiweißreichen Mischungen!

Gut zu wissen

Die Fütterung und das Ausmisten gehören zu den Routinearbeiten. Die Futtertröge sollten so angebracht werden, damit man sie vom Stallgang aus gut befüllen kann.

Die Verwendung von ausreichend Einstreu im Liege- und Aktivitätsbereich ist heraufordernd, trägt aber zum Wohlbefinden und zur Sauberkeit der Tiere bei. Aus diesem Grund ist das Ausmisten arbeitstechnisch der größere Aufwand, außer man schafft es, den Auslauf so anzulegen, dass man ihn befahren und abschieben kann. Empfohlen ist, je nach Witterung, zumindest ein- bis zweimal die Woche auszumisten. Das ist auch im Hinblick auf Hygiene und Parasitenvermehrung sehr wichtig. Ein befestigter Auslauf ist wichtig, denn das heißt: weniger Dreck, weniger Erregerdruck und einfachere Säuberung.

Hervorzuheben ist auch eine tägliche regelmäßige Beobachtung der Tiere. Dies sollte zur Routine gehören. Schweine sind neugierig und ziehen sich zurück, wenn es ihnen nicht gut geht. Je besser man seine Herde kennt, desto früher kann man Veränderungen feststellen und gegensteuern, bevor ein Problem auftritt.

Autorin: Dr. Simone Schaumberger, Bio Austria Bundesverband

Tipp