Unkompliziert und tiergerecht

© Edler/BIO AUSTRIA

Auch bei kleinen Herden ist ein gut durchdachtes Betriebskonzept von Vorteil. Ein Bio-Mutterkuhhalter aus dem Mühlviertel setzt auf leistungsgerechte Fütterung und ist damit erfolgreich.

Friedlich geht es zu auf den Weiden rund um den Bio-Hof Lippler in Grünbach in der Nähe von Freistadt. Die Mutterkühe mit ihren Kälbern und die abgesetzten Jungrinder grasen in den ihnen zugewiesenen Bereichen der Kurzrasenweide. Auch der Charolais-Stier „Charly“ verbringt den Sommer draußen im Grünen. „Das Besondere bei uns am Hof ist die saisonale Abkalbung. Eine Gruppe kalbt im Herbst ab und die andere im Frühjahr. So ist es uns gelungen, unsere Kühe und Kälber in einen Jahreskreislauf zu bringen, der es uns ermöglicht, sie bestmöglichst zu betreuen“, erzählt Manfred Kudler, wie ein gut durchdachtes Management auch bei einer kleinen Herde möglich ist. Er und seine Frau Beate führen ihren Bio-Betrieb mit zehn Mutterkühen im Nebenerwerb. Sie erzeugen Qualitätsjungrinder und ihnen ist wichtig, dass alles möglichst unkompliziert ist. Bei der Fütterung wird besonderer Wert auf wiederkäuergerechte Rationen gelegt.

Überlegt füttern

Trockensteher haben einen anderen Nährstoffbedarf als eine Mutterkuh mit Kalb. Die Futterrationen werden daher mehrmals im Jahr angepasst. Es beginnt kurz vor dem Trockenstellen beim Absetzen der Kälber. Das ist ungefähr fünf bis sechs Wochen vor der nächsten Geburt. Die Kälber werden möglichst stressfrei abgesetzt. Sie bekommen eine „Quiet-Wean“-Platte in die Nasenflügel eingeclipst. Das ist völlig schmerzlos und ermöglicht, dass die Kuh während sie trockengestellt wird, noch Kontakt zu ihrem Kalb haben kann.

Die Trockensteher erhalten strukturiertes, spät gemähtes Heu. Zum Fressverhalten während der Umstellung meint Manfred Kudler: „Am Anfang sind sie nicht sehr begeistert, aber nach einer Woche fressen sie es gerne. Unser Ziel ist, dass die Kühe nicht zu fett in die Abkalbung gehen. Seit wir das machen, haben sich die Geburten gravierend verändert. Wir haben insgesamt kleinere Kälber. Sie sind auch vitaler und fangen sofort bei der Kuh zum Saugen an.“
Ein paar Tage vor dem Abkalben wird die Kuh dann wieder angefüttert. Sie bekommt eine Silage vom ersten Schnitt. Also ein junges Futter, das im Stadium Ähren-Rispen-Schieben gemäht wurde. „Nach dem strukturreichen Heu fressen die Kühe das junge Futter sehr gerne und schaffen so den Übergang sehr gut.“ In der Zeit nach dem Abkalben, wenn die Kühe die Kälber versorgen müssen, brauchen sie ausreichend Nährstoffe. In dieser Phase bekommen sie auch eine Silage vom ersten und zweiten Schnitt. Die Kühe, die im Frühjahr abkalben, gehen mit ihren Kälbern gleich nach dem Abkalben auf die Kurzrasenweide.

Weideflächen einteilen

Auch bei der Weidehaltung wird am Bio-Betrieb Kudler nichts dem Zufall überlassen. „Wir haben drei Gruppen, eine mit den Kühen, die im Frühjahr gekalbt haben, eine Herbstgruppe und die abgesetzten Jungrinder, die noch nicht verkauft wurden. Im Frühjahr zu Weidebeginn wird im Stall noch zugefüttert. Wenn genug Gras nachwächst, sind die Tiere Tag und Nacht auf der Weide. „Man muss aber genau abwägen. Nur stur eine Kurzrasenweide vorzugeben, geht nicht. Wenn draußen zu wenig nachwächst, kann es durchaus sein, dass ich im Stall zufüttern muss, damit wir die gewünschten Zunahmen haben“, erzählt der Mutterkuhhalter von den Herausforderungen, mit denen er in den trockenen Sommern der vergangenen Jahre zu kämpfen hatte.

Kühe und Kälber bekommen am Bio-Betrieb Kudler kein Kraftfutter. Erst nach dem Absetzen wird eine Bio-Fertigmischung zugefüttert. Wir brauchen gute Zunahmen, damit wir die geforderten Qualitäten erreichen und einen guten Preis bekommen. Auch mit der Mineralstoffversorgung hat Manfred Kudler schon Erfahrungen gesammelt. „Im Winter bekommen die Kühe einen Bergkern und eine Leckmasse. Im Sommer nehmen sie die Leckmasse nicht so gerne. Da mache ich eine eigene Mischung aus Viehsalz, Mineralstoffen und Futterkalk.“

Abgestufter Wiesenbau

Wenn Mutterkühe leistungsgerecht gefüttert werden, braucht es unterschiedliche Qualitäten beim Heu und bei der Silage. „Meine Zukunftsphilosophie ist der abgestufte Wiesenbau. Wir setzen ihn zwar schon um, aber ich möchte ihn noch verbessern“, sagt Manfred Kudler. Rund um den Hof stehen acht Hektar Weide zur Verfügung. Nachdem die Flächen einmal beweidet wurden, wird der nächste Aufwuchs siliert. Im Herbst grasen die Kühe dann auf allen Weideflächen.

„Vor vielen Jahren hat der Großvater eine vier Hektar große Wiese dazu gekauft. Das ist jetzt unsere Heuwiese. Sie ist weiter vom Hof entfernt und wird Anfang bis Mitte Juni gemäht. Dieses strukturreiche Futter bekommen die Trockensteher. Im Heu sind die Gräser und Kräuter drinnen, die sie brauchen“, sagt der Biobauer. „Die Heimflächen werden eher intensiv bewirtschaftet. Dort können wir mehr Mist hinbringen und auch mehr Nährstoffe abholen.“ Manfred Kudler sieht aber durchaus noch einen Verbesserungsbedarf auf diesen Flächen. Es ist geplant, mehr Wiesenrispe in den Bestand zu bringen. Auch die Gemeine Rispe und der Ampfer machen derzeit noch Probleme. „Es muss uns gelingen, dass wir jeder Fläche ihre spezielle Nutzung zukommen lassen und sie auch dementsprechend betreuen.“

Noch zu probieren

In Zukunft soll Gärheu das Kraftfutter ganz ersetzen. „Wir haben das Gärheu schon einmal versucht. Ein ganz junges Gärheu, das noch früher gemäht wurde, als die Milchviehbetriebe normalerweise mähen. Es hat einen sehr hohen Nährstoffgehalt und einen Rohfasergehalt im annehmbaren Bereich. Die Futtermitteluntersuchung hat damals einen Energiegehalt von 6,3 MJNEL ergeben. Das wäre vielleicht ein Ansatz, um Kraftfutter zu sparen“, ist Manfred Kudler überzeugt. Denn seiner Überzeugung nach ist die Verfütterung von Kraftfutter an Rinder ethisch nicht vertretbar.

Autorin:

DI Veronika Edler, Bio Austria

Videotipp:

Tierwohl am Rinderbetrieb – Sicherheit für Mensch und Tier
gedreht am Bio-Betrieb Kudler
staging.bio-austria.at/download/tierwohl/sicherheit

Wissen:

Beate und Manfred Kudler
Grünbach, Oberösterreich

11,5 ha Grünland
13,5 ha Wald

10 Mutterkühe mit Nachzucht
Charolaisstier
Produktion von Qualitätsjungrindern
Nebenerwerb