Zwiebel: Die Pflanze mit der Sonnenuhr

© Peter Grauert

Die Entwicklungsbiologie von Speisezwiebeln unterscheidet sich in wichtigen Bereichen von anderen, gewohnten Feldkulturen. Das betrifft vor allem die Ertragsbildung. Einige Aspekte der Produktion müssen daher entsprechend angepasst oder geändert werden.

Für den Start des Wuchsstadiums der eigentlichen Zwiebel ist der Tageslängenverlauf in der jeweiligen Anbauregion entscheidender als der sehr variable Temperaturverlauf. 

Tageslänge entscheidend

Die einzelnen Speisezwiebelsorten werden daher nach der Tageslänge eingeteilt in extra-lang, lang und kurz. In Österreich findet die Zwiebelbildung (Bulbenbildung) von circa Mitte Mai bis Mitte Juni statt. Je besser die Wachstumsbedingungen vor diesem Wechsel waren, um so größer wird die Pflanze und am Ende die Zwiebel beziehungsweise der Ertrag.

Der Zeitraum von der Saat (Mitte März bis Mitte April) bis zur Bulbenbildung beträgt im Frühjahr oft nur „netto“ 60 bis 70 Kalendertage mit für das Wachstum ausreichender Temperatur. Für eine möglichst große Pflanze zählt daher jeder Tag. Anders ausgedrückt ist diese Phase in unseren Breiten der Flaschenhals für die Größen- und folglich die Ertragsbildung.

Dabei bestimmt die Einzelpflanzengröße die Größe der Zwiebel sehr viel stärker als zum Beispiel der Standraum. An dem bis dahin geraden Schaft verdicken sich zunächst die Basen der auf der Wurzelscheibe stehenden Blätter und lassen die Zwiebelbildung auch optisch erkennen. 

Blattlose Schalen

Die zweite ebenso wichtige Phase der Entwicklung liegt in der Abreife, die der Vorbereitung auf die Winterruhe entspricht. Diese wird sozusagen im Verborgenen im Inneren der Bulbe eingeleitet durch die Etablierung von sogenannten blattlosen Schalen. Diese entwickeln kein grünes Blatt mehr, das durch den Zwiebelschaft neu gebildet wird. Hier ist anzumerken, dass dieser Prozess durch eine Überversorgung mit Stickstoff in dieser Phase verspätet wird oder verhindert werden kann (Stichwort „Dickhälse“). Dann findet weiteres Laubwachstum weitgehend auf Kosten der Bulbenbildung statt.

Gleichmäßige Wasserversorgung

Da die Zwiebel für die Pflanze in erster Linie als Speicherorgan für Wasser und weniger als Energiespeicher dient, findet man zur Ernte nur circa zehn bis elf Prozent Trockensubstanz. Anders ausgedrückt – die Zwiebel legt großen Wert auf eine gleichmäßige und gute Wasserversorgung. Dabei muss beachtet werden, dass die Wurzeln eine Symbiose mit Bodenpilzen eingehen (Arbuskuläre Mykorrhizza). Diese Pilze bevorzugen eine „Waldboden“-Struktur, also einen gut durchlüfteten, feuchten Boden und leiden unter Staunässe oder Überwässerung. Bei Trockenstress sterben Wurzeln sofort ab. Die Bodenfeuchte sollte mit einer Spatenprobe regelmäßig überprüft werden.

Wichtige Pilzkrankheiten

Zwei Pilzkrankheiten müssen hervorgehoben werden, die wegen nicht ausreichender, direkter Bekämpfungsmöglichkeiten vor allem in der Bio-Produktion beachtet werden müssen. Das ist der Falsche Mehltau (Peronospora destructor), der zum Totalausfall führt, wenn er das Laub noch vor Erreichen der Keimruhe ausreichend zerstört und so die Lagerfähigkeit verhindert. Da die Infektion vor allem den Morgentau mit seinen Wassertropfen auf dem Laub benötigt, sind alle Maßnahmen, die diesen Tau verhindern beziehungsweise die Verweildauer auf unter vier Stunden begrenzen, hilfreich. Dazu gehört beispielsweise eine gute Durchlüftung am Bestand, zum Beispiel durch einen weiteren Reihenabstand. 

Der andere Pilz ist die Kopffäule (Botrytis aclada), die im Lager meist erst nach einigen Wochen Lagerzeit ausbricht. Dieser Schwächeparasit befällt während der Vegetation vor allem nach Schlechtwetterereignissen, besonders nach Hagel, den oberen Zwiebelschaft, aus dem er langsam mit dem Abtrocknen im Lager Richtung Bulbe wächst. Es ist unbedingt anzuraten, die Zwiebeln noch recht grün zu roden und schneller zu trocknen als der Pilz wachsen kann. 

Pflanzung als Alternative

Die Zwiebelpflanzung kann eine Alternative zur Saat sein. Mit einer Pflanzung ist die Jugendentwicklung gut plan- und kalkulierbar. Hohe Bestandesdichten sind trotz eines Reihenabstandes bis 50 cm erreichbar. Der Krankheitsdruck ist geringer, die Ernteware gleichmäßiger und der Ertrag höher. Die Unkrautkontrolle erfolgt über Häufeln und Striegeln weitgehend ohne Handarbeit. Zu beachten ist allerdings, dass die Verfügbarkeit von Pflanzgut im Frühjahr begrenzt und die Pflanzung personalintensiv ist und dass entsprechende Maschinen benötigt werden. Weiters müssen die Pflanzen gleichmäßig angegossen werden.

Die Ausführungen zu den Entwicklungsstadien, der Wasserversorgung und zu Pilzkrankheiten sind einige Aspekte, die in der Zwiebelproduktion berücksichtigt werden müssen, können jedoch keine Details abbilden. Ich rate interessierten Betrieben zu einem Erfahrungsaustausch mit Kollegen und die Beratungs- und Bildungsangebote des Verbandes Bio Austria zu nutzen. 

Autor: Dr. Peter Grauert ist selbständiger Berater für die Zwiebelproduktion und hält auf Initiative von Bio Austria regelmäßig Vorträge in Österreich. www.concepa.de

Wichtige Eckpfeiler für die Bio-Zwiebelproduktion

+ Eine gleichmäßige Keimung und gute Jugendentwicklung sichern das Ertragspotenzial.

+ Eine gleichmäßige und gute Wasserversorgung ist unerlässlich für eine gute Entwicklung der Zwiebel.

+ Der Beginn der Bulbenbildung ist von der Tageslänge abhängig und daher Kalenderbestimmt und kann nicht ausgeglichen werden.

+ Die Bedeutung der inneren, blattlosen Schalen ist zu beachten. Diese Bulbenschalen können über 50 Prozent der Zwiebelgröße erreichen, sie sind entscheidend für den Ertrag und die Sortierung. Sie sind auch Indikator für eine gute Abreife und die Keimruhe.

+ Die laubgesunde Abreife bereitet wesentlich die Lagerfähigkeit (Keimruhe) vor.

+ Falscher Mehltau und Kopffäule sind vor allem in der Bio-Produktion begrenzende Faktoren.